Köln - Die vielen Gesichter einer Stadt
Spaziert man durch Kölns sommerlich durchflutete Innenstadt rund um das zweitürmige Wahrzeichen der Stadt, so scheint der Dom beinahe wie aus einer anderen Welt. Dunkel und fast bedrohlich atmet er den Hauch der vergangenen Jahrhunderte. Nirgendwo wird die Symbiose zwischen Gegenwart und Vergangenheit so augenscheinlich wie hier.
Köln kann trotz seiner Größe als gemütliche Stadt angesehen werden, man erinnert sich gerne an das was mal war ohne jedoch den Blick nach vorne zu vernachlässigen. Skeptisch beäugt der Rheinländer Neues und prüft es erst auf Herz und Nieren, bis er sich eine Meinung bildet. Manchmal dauert es dann ein bisschen, bis sich Neuerungen durchsetzen, doch das sieht man hier mit gewohnter Lässigkeit: „Et hät noch immer jot jejange."
Und auch die Homo-Szene folgt dieser Formel: Zwar bleibt die alte Dichotomie erhalten, zwischen Altstadt, wo sich zwischen Heumarkt und Mühlenbach die Fetisch- und Bärenszene trifft, und dem bunt gemischten Szene-Volk im Bermuda-Dreieck in der Innenstadt bestehen. Doch beide Teile der Community sorgen immer wieder mit neuen Ideen für Abwechslung.
Aber auch außerhalb der beiden Knotenpunkte gibt es an jedem Wochenende im Monat was Neues zu entdecken. Grundsätzlich gilt: Je weiter vom Stadtzentrum entfernt, desto alternativer das Partykonzept. Also: Die Reise lohnt sich.
Aber auch tagsüber kann man in Köln einiges unternehmen. Wer die Stadt mal unter schwul-lesbischen Geischtspunkten kennen lernen möchte, dem seien die Führungen des Centrum Schwule Geschichte wärmstens ans Herz gelegt, die homo-historische Orte Kölns ansteuern. Wem der Sinn mehr nach einem gepflegten Einkaufsbummel steht, für den ist die Ehrenstraße genau das richtige. Von Klamotten über Dekoartikel bis hin zu Büchern und Tonträgern ist hier alles zu manierlichen Preisen zu erstehen. Einen Tick teurer, dafür aber auch exklusiver, geht es auf der Mittelstraße zwischen Rudolfplatz und Neumarkt zu. Wer sich hingegen nicht scheut, ein ausgedehntes Bad in der Menge zu nehmen, dem sei Kölns große Fußgängerzone auf der Hohe Straße, Schildergasse und Breite Straße wärmstens ans Herz gelegt. Zwischen Dom und Neumarkt erstreckt sich über mehrere Kilometer Kölns längste Einkaufstraße.
Wenn die Füße vom ausgedehnten Bummeln dann so richtig schmerzen, ist es endlich Zeit zum gepflegten Nachmittagskaffee irgendwo einzukehren. Zum Glück gibt es hierfür zwischen Dom und Ring ausreichend Gelegenheit. Da wäre zunächst die Kettengasse mit ihren diversen Cafés. Auch in Frage kommt beispielsweise das Gloria in der Apostelnstraße. Während man hier tagsüber im Café in Ruhe klönen kann, öffnen sich am Abend die Pforten des großen Saales, wo die verschiedensten Partys stattfinden.
Doch spätestens wenn der Abend naht, sollte man sich langsam aber sicher entscheiden, wonach einem der Sinn steht. Hierbei kann ein Blick in eines der überall kostenlos ausliegenden Szenemagazine sehr hilfreich sein, zum Beispiel die seit mittlerweile über 20 Jahren erscheinende rik. Hier erhält man Aufschluss darüber, wo man den Abend wohl am lohnendsten verbringen kann. Im Zweifelsfall schadet es auch nicht, einen Einheimischen zu Rate zu ziehen. Immerhin sind die Rheinländer für ihre aufgeschlossene, gastfreundliche Art bekannt.












