ColognePride: 19.6. bis 4.7.2010 / CSD-Straßenfest: 2. bis 4.7.2010 / Kölner Aids-Gala: 2.7.2010 / Colour Cologne: 3.7.2010 / CSD-Parade: 4.7.2010

Kölner CSD-Charta

Über den folgenden Link könnt ihr die Kölner CSD-Charta einsehen und downloaden:




Provokation contra Respekt?
Geschichte und Ziel der Kölner CSD-Charta


Am 19. Januar 2009 hat die Mitgliederversammlung des KLuST e.V. einstimmig die CSD-Charta verabschiedet. Ausgelöst durch einen mehr als verunglückten Artikel im „Kölner Stadt-Anzeiger" geriet sie jedoch kurz danach in die Kritik. „Warum überhaupt diese Charta?", fragten viele in Internetforen, Blogs und per Leserbrief. „Sind die Kölner jetzt ganz verrückt geworden?" Wir laden alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer am CSD ein, sich an der Diskussion um die Charta zu beteiligen. Der Vorstand des KLuST wird die Beiträge bündeln und in die nächste Mitgliederversammlung einbringen.

Warum gibt es die Charta aber nun? Sie ist das Ergebnis eines langen Diskussionsprozesses. Viele Menschen aus der Kölner Szene haben sich daran beteiligt. Sie haben diskutiert, teilweise auch mit harten Bandagen Argumente ausgetauscht und aus diesem Konflikt heraus gemeinsam eine Lösung innerhalb des KLuST entwickelt.

Ausgangspunkt war die Teilnahme von transsexuellen Huren unter dem Logo eines Kölner Großbordells an der CSD-Parade 2006. Vor allem für viele Lesben ein Affront. Während es für viele Schwule keine große Sache schien. „Ja" sagten die einen, auch Prostitution gehört zu unserer Gesellschaft, ist Teil unserer Sexualität und daher dürfen sie auch am CSD teilnehmen. „Nein" sagten die anderen, denn Werbung für Prostitution nimmt vor allem Frauen ihre Würde. Die Koalition lesbischer und schwuler Interessen drohte auseinander zu brechen. Dass, was Schwule und Lesben an gemeinsamen Erfolgen für sich verbucht haben, war fast vergessen. Fast hätte es keine Gemeinsamkeit mehr gegeben. Fast!

Dass es nicht soweit kam, verdanken wir einem intensiven, aber auch schwierigen Diskussionsprozess, dessen Ergebnisse die Charta zusammenfasst. Dieser heftige Austausch hat dazu beigetragen, die Positionen der jeweils anderen Seite besser zu verstehen. Insbesondere hat er aber dazu geführt, die jeweils andere Position stärker zu respektieren. Die Sorgen, die Nöte und Ängste, die Forderungen und die Ansichten des und der anderen wahrzunehmen.

Die Charta ist aber viel mehr, als nur das Ergebnis eines notwendigen Diskussionsprozesses innerhalb der organisierten Kölner Lesben- und Schwulenszene. Alle Beteiligten haben mit der Charta formuliert, wo sie Respekt, Toleranz und Akzeptanz als Minderheit von der Mehrheit erwarten. Gleichermaßen verpflichten sie sich damit, die geforderten Werte selbst zu zeigen. Mit der Charta formulieren wir gemeinsame Werte, ohne dass wir den Anspruch erheben, sie vollständig beschrieben zu haben.

So wie sich die Szene immer weiter zersplittert, so weit auseinander gehen auch die Meinungen zum Kölner CSD und seiner Parade. Was für die einen der ultimative Ausdruck ihrer selbstgelebten Freiheit ist, scheint den anderen nur noch ein reines Spaß- und Partyfestival. Und irgendwo dazwischen positioniert sich ein Veranstalter, der KLuST, der nicht müde wird, die politische Bedeutung des CSD zu betonen und in den Mittelpunkt zu stellen.

Die Charta steht dafür, dass der CSD eine politische Demonstration ist, der gesamte CSD mit all seinen Veranstaltungen - nicht nur die Parade. Ziel ist es, dass Lesben, Schwule, Bi und Transgender rechtlich den übrigen Bürgerinnen und Bürgern gleichgestellt und gesellschaftlich akzeptiert werden. Vieles ist durch die Lesben- und Schwulenbewegung in den letzten 40 Jahren erreicht worden. Der § 175 wurde endlich abgeschafft, Lesben sind und können sichtbarer sein. Doch noch sind wir nicht am Ziel. Gegenüber Ländern wie den Niederlanden, Dänemark, aber auch Spanien, steht Deutschland immer noch zurück.

Die Charta war immer als Selbstverpflichtung gedacht. Es ist der Respekt vor Anderen, den die Charta fordert. Die Besucherinnen und Besucher der Parade müssen nicht jede Forderung, nicht jede Aussage der Teilnehmerinnen und Teilnehmer verstehen und gutheißen, aber eines sollten sie tun: Andere mit ihrer Forderung respektieren!

Wir wünschen uns - auch dafür haben wir die Charta geschaffen -, dass all diejenigen, die seit Jahren den CSD begleiten, ihn ausmachen und ihn bereichern, auch in die nächsten Jahre dazu gehören. Wir wollen nicht hinnehmen, dass Einzelne oder ganze Gruppen und Gruppierungen den CSD und seine Veranstaltungen deshalb verlassen, weil sie sich mit seinen Werten und Zielen nicht mehr einverstanden erklären können. Das muss in alle Richtungen gelten! Der Diskussionsprozess zur Charta hat gezeigt, wie schwierig es ist, eine gemeinsame Übereinkunft zu finden. Die Wortmeldungen nach Verabschiedung der Charta haben deutlich gemacht, dass der Diskussionsprozess nicht abgeschlossen ist.

Die CSD-Charta kann unser Instrument sein, Respekt zu fördern und sichtbar zu machen. Sie kann sich im Rahmen einer Wertediskussion als wichtiger Beitrag erweisen. Sie wird aber nur dann hilfreich und lebendig sein, wenn sich auch weiterhin viele an der Diskussion beteiligen. Mit einer so diskutierten Charta kann der CSD in jeder Hinsicht respektabel weiterleben! Wir heißen jeden und jede willkommen, mit allen Besucherinnen, Besuchern, Teilnehmerinnen und Teilnehmern diesen Respekt auf dem CSD zu zeigen. Jedes Jahr!